KI-Euphorie: Warum Sicherheit wieder zählt
Die Anzeichen einer KI-Blase verdichten sich. Die Bewertungen bewegen sich auf Höchstniveau, die Fremdfinanzierung an den Aktienmärkten nimmt zu und die Euphorie rund um KI- und Technologieunternehmen hält an.
- Die Anzeichen einer KI-Blase verdichten sich
- Ein hoher Aktienkurs ist kein Beweis für hohen Wert
- Handlungsfähigkeit wird zum entscheidenden Sicherheitsfaktor
Solche Signale häufen sich typischerweise gegen Ende eines Zyklus. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Unternehmen plötzlich unprofitabel werden. Ein Markt kann jedoch schlicht zu schwer werden. Wenn die Börsenkapitalisierung der Realwirtschaft dauerhaft davonwächst, trägt sich die Bewertung irgendwann nicht mehr. Was dann bricht, ist nicht zwingend die Wirtschaft, sondern die Bewertung. Kurse können deutlich fallen, selbst wenn die Unternehmen profitabel bleiben.
Die Nachfrage wird breiter
Die hohen Investitionen rund um KI schlagen sich zunehmend auch in der Realwirtschaft nieder. Der Bedarf an Rechenleistung und digitaler Infrastruktur wächst und sorgt dafür, dass vom KI-Capex-Boom längst nicht mehr nur Technologieunternehmen profitieren.
Hinzu kommt die Geopolitik. Europa rüstet auf, die Verteidigungsbudgets steigen strukturell und über Jahre. Doch Sicherheit ist weit mehr als Waffen und Munition: Sie ist auch digital und infrastrukturell geworden.
Entscheidend ist die Qualität dieser wachsenden Nachfrage. Die Aufträge werden physisch: Fabriken, Munitionslinien, Satelliten, Rechenzentren und Stromnetze. Das sind reale Auftragsbücher, keine fabulistischen Versprechen. Und die Nachfrage verbreitert sich: Sie hängt nicht mehr an einer Handvoll Namen, sondern zieht Zulieferer, Energie, Industrie und Werkstoffe mit.
Wenn Vermögen zu Geld wird
Die aktuellen Entwicklungen rund um grosse Technologie- und KI-Unternehmen zeigen einen weiteren Aspekt: Vermögen und Geld sind nicht dasselbe. Die hohen Bewertungen der vergangenen Jahre haben enormes Vermögen geschaffen und werden zunehmend genutzt, um dieses in Geld zu konvertieren. Auch erfahrene Investoren tauschen still einen Teil ihres Vermögens in Cash.
Das ist kein Zufall. Gerade in euphorischen Marktphasen gewinnt die Frage an Bedeutung, wie viel des aufgebauten Vermögens tatsächlich verfügbar ist. Ein hoher Aktienkurs ist kein Beweis für hohen Wert. Und eine beliebte Aktie ist nicht automatisch eine sichere Anlage.
Was die Euphorie bremsen könnte
Ob und wann eine stärkere Korrektur kommt, weiss man nie. Timing ist eher Spekulation als Handwerk. Wer gegen das Hoch investiert, riskiert einen länger dauernden Kapitalverlust. Ein möglicher Auslöser könnten weiter steigende Langfristzinsen sein. Immerhin haben sich die Geldmarktzinsen für US-Dollar- und Euro-Anleger wieder normalisiert. Damit lässt sich Wartegeld wieder mit laufenden Zinserträgen halten. Langfristig bieten nominale Anlagen in einer überschuldeten Welt zwar keine echte Sicherheit, jedoch kann eine Liquiditätsreserve kurzfristig Preisrisiken reduzieren.
Gleichzeitig gewinnen Unternehmen mit stabilen Cashflows, starken Marktpositionen und einer verlässlichen Dividendenpolitik an Bedeutung. Gerade der Schweizer Aktienmarkt bietet zahlreiche solcher Unternehmen, deren Geschäftserfolg nur begrenzt vom aktuellen KI-Boom abhängt.
Sicherheit bedeutet, handlungsfähig zu bleiben
Für Anleger bedeutet Sicherheit heute mehr als reine Risikovermeidung. Es geht darum, Chancen wahrzunehmen, ohne den Kapitalerhalt aus den Augen zu verlieren.
Nach den starken Kursgewinnen bei hoch bewerteten US-Technologie- und KI-Titeln halten wir es für sinnvoll, Gewinne teilweise zu realisieren und bestehende Klumpenrisiken zu reduzieren. Gleichzeitig erscheint es ratsam, einen höheren Liquiditätsanteil als Wartegeld zu halten und bei Aktien stärker auf Unternehmen mit stabilen Cashflows, starken Marktpositionen und einer verlässlichen Dividendenpolitik zu setzen. Dazu können auch hochwertige Schweizer Dividendenwerte gehören. Gold behält als zusätzliche Diversifikation ebenfalls seinen Platz im Portfolio.
Entscheidend ist aus unserer Sicht nicht, den nächsten Wendepunkt vorherzusagen. Vielmehr kommt es darauf an, das Vermögen so aufzustellen, dass auch bei stärkeren Marktschwankungen ausreichend Liquidität und Handlungsspielraum erhalten bleiben. Ein integraler Blick auf sämtliche Vermögenswerte hilft dabei, Risiken und Chancen im Gesamtzusammenhang zu beurteilen.






