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Weltwirtschaft: Investitionsboom verändert die Konjunkturstruktur

Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz geopolitischer Spannungen, höherer Zinsen und anhaltender Unsicherheiten weiterhin widerstandsfähig. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes sowie stabile Konsum- und Arbeitsmarktdaten deuten darauf hin, dass die globale Konjunktur kurzfristig weiter expandiert. Vor allem beobachten wir einen strukturellen Wandel der Wachstumstreiber. Expansive Fiskalprogramme und hohe Unternehmensinvestitionen stützen die wirtschaftliche Dynamik in vielen Regionen der Welt.

  • Investitionen lösen Konsum als Wachstumstreiber ab
  • Energiepreise mit Zweitrundeneffekt in Produktion und Konsum
  • Börsengänge der Technologiekonzerne werden zum Test für die Kapitalmärkte

Damit wird die Weltwirtschaft zunehmend von Investitionen statt vom klassischen Konsumzyklus getragen. Hohe Ausgaben für künstliche Intelligenz, Infrastruktur, Energieversorgung und Verteidigung sorgen weltweit für einen anhaltenden Investitionsboom. Die Investitionen in künstliche Intelligenz bleiben weitgehend ungebremst und führen bereits zu steigender Produktivität und höheren Unternehmensgewinnen. Davon profitieren insbesondere Industrie-, Infrastruktur- und Technologieunternehmen mit hoher Produktivität, Preissetzungsmacht und realen Cashflows.

Finanzmärkte: Aktien robust, Zinsregime im Wandel

Die Aktienmärkte zeigen sich trotz zahlreicher Risiken bemerkenswert robust. Solide Unternehmensgewinne, expansive Fiskalpolitik und hohe Investitionstätigkeit stützen die Märkte weiterhin. Anleger scheinen geopolitische Risiken derzeit zunehmend auszublenden. Die Börsen steigen weiter die sprichwörtliche „Wall of Worry“ hoch. Solange Gewinne, Liquidität und Investitionen stabil bleiben, bleiben Rückschläge an den Aktienmärkten bislang begrenzt.

Gleichzeitig markieren die jüngsten Anstiege der langfristigen Zinsen einen wichtigen Regimewechsel: Die Ära von Tiefzinsen, tiefer Inflation und nahezu unbegrenzter Liquidität dürfte vorbei sein. Investoren verlangen wieder höhere Realzinsen und Risikoprämien für langfristige Staatsanleihen. Während die Kerninflation bislang relativ stabil geblieben ist, erhöhen steigende Energiepreise den Druck auf Konsumenten- und Produzentenpreise. Insbesondere lange Laufzeiten in EUR- und USD-Anleihen erscheinen in diesem Umfeld wenig attraktiv.

Stattdessen profitieren zunehmend kapitalintensive Geschäftsmodelle mit realen Cashflows und hoher Investitionstätigkeit – und weniger Unternehmen, deren Bewertungen primär auf langfristigen Gewinnerwartungen beruhen. Gleichzeitig dürften die erwarteten Börsengänge prominenter KI- und Technologieunternehmen wie SpaceX, OpenAI oder Anthropic ein wichtiger Test dafür werden, wie aufnahmefähig die Kapitalmärkte für hoch bewertete Zukunftsunternehmen noch sind.

Anlagepolitik: Qualität, Value und Realwerte bleiben zentral

In der Vermögensallokation bleiben Qualität, Value und Inflationsschutz aus unserer Sicht entscheidend. Wir gehen davon aus, dass das hohe Gewicht der USA in den Weltindizes mittelfristig abnehmen wird und gewichten somit strategisch die Schweiz, Europa und die Schwellenländer höher. Innerhalb der Aktienmärkte erscheinen Qualitäts- und Value-Titel attraktiver als hoch bewertete Wachstumswerte. Chancen sehen wir insbesondere in Industrie-, Energie- und Rohstoffsektoren, welche von Infrastrukturinvestitionen, geopolitischer Fragmentierung und steigenden Verteidigungsausgaben profitieren werden. Gleichzeitig gewinnen Diversifikation und Realwerte weiter an Bedeutung. Gold, Rohstoffe und liquide Alternativanlagen bieten in einem Umfeld höherer Inflation, steigender Staatsverschuldung und zunehmender geopolitischer Blockbildung attraktive Diversifikationsmöglichkeiten.

Nach der starken Markterholung und dem deutlich gestiegenen Optimismus an den Finanzmärkten empfehlen wir dennoch ein diszipliniertes Rebalancing der Aktienquoten. Die geopolitische Lage rund um die Strasse von Hormus bleibt fragil, während die Sommermonate saisonal tendenziell schwächere Börsenphasen aufweisen.

Die kommenden Jahre dürften insgesamt weniger von Liquidität und Bewertungsexpansion, sondern stärker von realem Wachstum, Investitionen und Cashflows geprägt werden. Breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Risikofaktoren bleibt deshalb zentral.

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